🎧 Track 06 – Warten

Als Dinge noch Zeit brauchten

Warten gehörte einfach dazu.

Nicht als Tugend.
Nicht als bewusste Entscheidung.

Sondern weil es gar nicht anders ging.

Auf das richtige Lied

Man saß vor dem Radio.

Vielleicht lief gleich der Song, den man so mochte.
Vielleicht auch nicht.

Der Finger lag auf der Aufnahmetaste.
Bereit, im richtigen Moment zuzuschlagen.

Und dann sprach der Moderator doch wieder hinein.

Also zurückspulen.
Und wieder warten.

Auf den Anruf

Man hatte sich verabredet.

Oder eben nicht ganz.

Vielleicht würde jemand anrufen.
Vielleicht blieb das Telefon still.

Es gab keine Nachricht zwischendurch.

Kein „Bin gleich da“.
Kein „Verspäte mich“.

Nur dieses leise Gefühl:

Vielleicht klingelt es gleich.

Auf Antworten

Briefe waren nichts Besonderes.

Und gleichzeitig alles.

Man schrieb sie einfach.
Setzte sich hin, nahm sich Zeit.

Und dann gingen sie auf die Reise.

Tage vergingen.

Und irgendwann kam vielleicht eine Antwort.

Zeit war nicht leer

Heute wird jede Lücke gefüllt.

Damals nicht.

Zeit konnte einfach vergehen.

Ohne dass etwas passierte.

Und genau darin lag etwas Ruhiges.

Etwas Eigenes.

Vielleicht war genau das das Besondere

Dass nicht alles sofort verfügbar war.

Und dass sich Dinge erst entfalten mussten.

Weil sie Zeit hatten.

Track 06 endet hier.

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